GERT BEYER * 1935 in Oranienburg bei Berlin. 1954-1955 Studien an der VHS Gelsenkirchen, 1955-1960 an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Stuttgart bei den Professoren Gollwitzer, Hils, Henninger und Wehlte und an der Salzburger Sommerakademie bei Oskar Kokoschka, der ihm - wie er sagt - das „Gefühl für das Künstlerische überhaupt“ vermittelte. 1. Staatsexamen. 1960-1972 Arbeit als freischaffender Künstler, ab 1972 als Kunsterzieher und Werklehrer an der Hofer Fachakademie für Sozial- und Heilpädagogik. 2. Staatsexamen. Als Referent an der Akademie für Lehrerfortbildung war er auf den Gebieten der curricularen Lehrpläne und der Werkerziehung tätig. Seit 1995 als Vizepräsident Mitglied im Akademiesenat der Jean-Gebser-Akademie.

Öffentliche Ankäufe: Museum Gelsenkirchen, Stadt Hof.

Besondere Arbeiten: 1976 Lehrbuch unter dem Titel „Wahrnehmen und Gestalten“ zusammen mit seinem Kollegen Knötzinger.

Auszeichnungen: 1971 Kunstpreis Wollage, Hof; Hofer Oscar für Kunsterziehung; 1991 Honorarprofessur/CH für Malerei und Kreativitätserziehung; 1992 Johann-Christian-Reinhart-Plakette der Stadt Hof für seinen bedeutenden künstlerischen Beitrag sowie für sein außerordentliches kulturelles Engagement; 2007 Silbermedaille beim XI. Offenen Kunstpreis der Jean-Gebser-Akademie.

Ausstellungen: Einzelausstellungen (Auswahl): 1965 Städtisches Museum Gelsenkirchen und Kunstzentrum De Arc, Haarlem, 1969 Festhalle Viersen,1982 Stadthalle Göttingen, 1990 Freiheitshalle Hof und Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel, 1991 Reuchlinhaus Pforzheim, 1992 Neues Rathaus Bayreuth und Kreuzkirche Dresden, 1993 Thüringisches Landesmuseum, Rudolstadt und Schloss Oranienburg, 1996 Galerie Joenssu/ Finnland und Brüssel, 2002 Dom zu Meißen. Dazu kommen eine beträchtliche Anzahl von Gemeinschafts- und Gruppenausstellungen.

Literatur: Katalog: Industrie und Technik in der Deutschen Malerei von der Romantik bis zur Gegenwart, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg, 1969. Operationen im Museum Fridericianum, Kassel, 1969. Miniaturen 70 international, Galerie 66 Hofheim. Magazin KUNST 4/2004. Kunstwandkalender Meisterwerke Künstler unserer Zeit 2005, Allgemeines Lexikon der Kunstschaffenden in der bildenden und gestaltenden Kunst des ausgehenden XX. Jahrhunderts, DVD-Gesamtausgabe; Künstlerjahrbuch Meisterwerke Künstler unserer Zeit 2006, 2007, 2008.

 

„Die Kraft, die Gert Beyer selbst aus der Malerei schöpft und die ihm wiederum Lebenserhalt gibt, möchte er auch anderen Menschen vermitteln. ‚Wir dürfen nicht unter dem Gesichtspunkt malen, es anderen immer recht machen zu wollen...’ sagt Gert Beyer und setzt sich mit seinem eigenwilligen Schaffen in Bildzyklen, die ein Thema über lange Zeit hinweg in vielen Einzelwerken abhandeln, auch deutlich von populistischen Tendenzen ab. Seine Bilder sind nicht unbedingt gefällig, schön oder dekorativ im herkömmlichen Sinn; doch wer das Wagnis eingeht, sich unvoreingenommen auf seine Bilder einzulassen, wird etwas von jener Kraft der Wahrhaftigkeit spüren, die Gert Beyer antreibt und die er weitergeben will. Unter Kunst versteht er auch - die schon in der Antike gültige Forderung - Wissen, Bildung und humanistisches Denken und Handeln weiter zu geben.

 … ‚aber wie geht es weiter? Ich versuche aufzuzeigen was sein kann, wenn ich mich aus der Belanglosigkeit und Finsternis herausbewege. Mit realistischem Sinn für die kreative und spirituelle Seite des Menschen und seines zu entfaltenden Lebens. Im sensiblen Wahrnehmen und gestaltenden Mitteilen liegt das Geheimnis von Nehmen und Geben als einer ganz zwischenmenschlichen Begegnungs- und Lebensqualität.’….

In seinen Werken setzt sich Beyer auch immer wieder distanziert und somit kritisch, aber nicht unbedingt objektiv mit dem Tagesgeschehen auseinander. Die durch die überwiegend negativen Meldungen mit erschreckenden Presse- und TV-Bildern aufgestauten Emotionen versucht er, mit den schöpferischen Mitteln seiner Kunst zu verarbeiten: kühn hingeworfenes Lineament, Punktationen und malerische Stakkati sind die sichtbaren Zeichen seiner Bemühungen, brisanten Themen gegenüber Stellung zu beziehen. In abstrakt-expressiven Gemälden meditiert er über die Schwierigkeit zu sein und die Vieldeutigkeit menschlicher Existenz.“ Axel-Alexander Ziese